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Frank Vehren
NLV / Stadtsportbund Oldenburg
Leichtathletik Regelkunde

Hier findet ihr ein paar Fallbeispiele und deren Handhabung in der Praxis. Nützlich und interessant denke ich und soll eine kleine Hilfe für die Arbeit in den Kampfgerichten sein. Es wird hier -grundsätzlich- je ein Fall dargestellt, den jeder für sich zunächst selbst überlegen kann. Die Antworten werden jeweils in der Woche nach Einstellung des Sachverhaltes mit Begründung hier gegeben.

Ganz oben befindet sich der jeweils aktuellste Fall.

Die nachfolgenden Fallbeispiele sind geordnet, wie es auch die IWR abhandelt: Es beginnt mit den Allgemeinen Regeln, gefolgt von Lauf, Sprung und Wurf-/Stoßdisziplinen.


Die Regeländerungen für 2012 sind da.

Das komplette Regelwerk kann bezogen werden (Stand 03/2013) über 

Bezugsquelle IWR, Satzungen und Ordnungen:
KD Medienpark Faber GmbH, Zum Jagdhaus 12, 67661 Kaiserslautern
Tel.: 0631-35162-0, Fax: 0631-35162-33,
E-Mail: verlag@kd-medienpark.de,
Online Shop:
www.verlag-dlv.de

oder als Download beim DLV unter www.leichtathletik.de).

Hinweise können auch die jeweiligen Kampfrichterwarte der Fachverbände in den Landesverbänden, Bezirken und Kreisen geben.

 

So, nun aber los...

Allgemeines / Teilnahmerecht / Wettkampforganisation (9):

Bei einem offenen Sportfest an der Grenze von Niedersachsen zu Nordrhein-Westfalen (NRW) sollen auch die Bezirksmeisterschaften der Diskuswerfer und der Langstaffeln durchgeführt werden.

Es haben für den Diskus zwei Athleten aus NRW und zwei Staffeln aus NRW gemeldet.

Die Schlussläuferin einer Staffel aus NRW hat ihre Startnummer umgeknickt und dadurch verkleinert, da sie das Papier beim Lauf auf der Haut stört und sie es an ihrem Top nicht anders festmachen kann. Sie führt an, dass sie nicht an der Meisterschaftswertung teilnimmt und daher nicht unbedingt alle Regeln lockerer gesehen werden kann.

Eine Diskuswerferin (U18) aus NRW möchte in einer Gruppe mit den U20 außer der Wertung starten, da dort nur 7 Teilnehmerinnen auf der Wettkampfliste stehen, bei den U18 jedoch 14. Dadurch könne sie dann sechs Versuche durchführen statt drei.

Wie ist zu entscheiden?

a)      Darf die Läuferin ihre Startnummer kleiner machen, da sie nicht an 
  der Meisterschaft teilnimmt, sondern „nur“ an der offenen 
  Veranstaltung?

b)      Darf die Werferin in der höheren Altersklasse starten? Und hat sie  
  dann sechs Versuche?

 

Lösung:

Zu a)

Die Läuferin darf ihre Startnummer nicht verkleinern. Die Regel 143 Nr.8 der IWR als auch Nr.13 der Allgemeinen Ausschreibungsbestimmungen (AAB) 2012 des NLV und des BLV besagt, dass Startnummern wie ausgegeben getragen werden müssen. Sie dürfen in keiner Weise beschnitten, gefaltet, oder abgedeckt werden.“ (Zwingende Aussage!) Lediglich bei Langstreckenläufen darf die Nummer perforiert sein, dann allerdings nicht im Bereich der Buchstaben oder Ziffern.

Das die Athletin nicht an einer Meisterschaft teilnimmt, sondern an der Gesamtveranstaltung ohne Meistertitel, ist unbeachtlich. Die Regeln gelten für alle Leichtathletikveranstaltungen, nicht nur für Meisterschaften. Regel 20 der IWR besagt, dass ein Athlet (Hinweis: gemeint sind Leichtathletikveranstaltungen) teilnahmeberechtigt ist, wenn er zustimmt sich an diese Regeln (Hinweis: gemeint ist die IWR) zu halten und er keinem Teilnahmeverbot unterliegt.

Regel 100 Abs.2 besagt, dass in allen Veranstaltungen (…) Wettbewerbe in einem von den technischen Regeln der IAAF abweichenden Format der IAAF durchgeführt werden. Sie dürfen den Wettkämpfern aber nicht mehr Rechte geben als die aktuellen Regeln.

Damit ist fixiert, dass die Läuferin zwingend (u.a.) an die Regel 143 IWR gebunden ist.

 

Zu b)

Gem. Nr.3 der AAB 2012 (NLV und BLV) Abs.4 dürfen Athleten aus anderen Landesverbänden (LV) an Meisterschaften teilnehmen, wenn dies vom Wettkampfwart des LV genehmigt ist. Dies wird einmal unterstellt, so dass sie teilnehmen darf.  

Sie darf auch in der U20-Alterklasse starten wenn diese AK die gleiche Disziplin aufweist. Das ist hier der Fall (vgl. DLO, Seite 9 § 7; Stand 18.Nov.2011).

Bei den technischen Disziplinen mit Vor- und Endkampf darf sie jedoch nur am Vorkampf teilnehmen.

Da sie nun in einer AK startet, in der nur 7 Teilnehmer an den Start gehen darf sie in Ermangelung eines „echten“ Endkampfes auch alle sechs Versuche durchführen. In dem größeren Teilnehmerfeld hätte sie lediglich drei Versuche durchführen dürfen.

 



Bisherige dargestellte Fallbeispiele:




Allgemeines / Technischer Wettbewerb (8):

Kann der Schiedsrichter in den Durchgängen 4-6, wenn die Reihenfolge
entsprechend der Platzierungen gedreht wurde, eine andere Reihenfolge zulassen, wenn ein Athlet an einem anderen Wettbewerb teilnehmen möchte?

Lösung des DLV:

Ja, weil der Sinn der Regel darin besteht, allen Teilnehmern zu
ermöglichen, an mehreren Wettbewerben teilzunehmen.

(Hinweis meinerseits: Man kann nun darüber sinnieren, ob diese Chance, statt den acht- oder neuntletzten Versuch eines Wettbewerbes nun durch ein gezielt spätes Zurückkehren an die Wettkampfanlage durch einen Wettkämpfer dazu führt, dass er den letzten oder vorletzten Versuch macht und damit dem bis dahin vermeintlichen Sieger oder Zweitplatzierten den Titel "vor der Nase wegnimmt".

Offensichtlich ist dies so gewollt oder einfach nicht ausdrücklich erwähnt. Weil: was nicht ausdrücklich verboten ist, das ist erlaubt. Dann heißt es also besonders wachsam bleiben, bis der Wettbewerb endgültig beendet ist!

 

 

Allgemeines / Teilnahmerecht  (7):

Wettkämpfer K. kommt aus Osnabrück und will bei drei Wettbewerben eines Sportfestes in Hannover antreten. Dafür hat er bereits gemeldet. In der Ausschreibung der Veranstaltung ist eine telefonische Erreichbarkeit des Einsatzleiters / Wettkampfleiters für den Veranstaltungstag vermerkt. Sein bereits früher los gefahrener Trainer gibt die Stellplatzkarte für K. ordnungsgemäß mit allen weiteren Fomalitäten ab. Um 14.00 Uhr soll/will K. am Kugelstoßwettkampf teilnehmen. Für 14.45 Uhr ist er beim Diskuswurf und 16.30 beim 1500 Meter-Lauf gemeldet.

Der Kugel-Wettbewerb beginnt pünktlich um 14.00 Uhr. K. kommt erst gegen 14.15 hinzu, weil er in einem Stau gesteckt hatte. K. will noch am Kugelstoßwettbewerb teilnehmen, obwohl bereits der zweite Durchgang bereits begonnen hat. Der Obmann/Schiedsrichter und der Wettkampfleiter lehnen dies ab. In der Wettkampfliste wird "n.a." eingetragen, so dass K. an keinem der drei gemeldeten Disziplinen teilnehmen kann.

Zu Recht?

Antwort:

Hierzu ist die Regel 142 anzuführen. Die besagt:

R. 142 Meldungen: Nr.3: Ein Teilnehmer kann an mehreren Wettkämpfen der gleichen Veranstaltung teilnehmen. Ist er für mehrere gleichzeitig stattfindende technische Wettbewerbe gemeldet, oder einen Lauf und technische Disziplin, kann ihm der zuständige Schiedsrichter erlauben, die Versuche in einer anderen Reihenfolge

a) für einzelne Versuche in Hoch- oder Stabhochsprung<!--[endif]-->

<!--[if !supportLists]-->      b) oder einzelne Durchgänge (andere technische Disziplinen)

durchzuführen.

Ist ein Teilnehmer dann zu seinem Versuch nicht anwesend ist dies als Verzicht zu protokollieren.

Zwischenergebnis: Der Teilnehmer dürfte (als erster in der WK-Liste), am Ende des ersten Durchganges starten. Damit ist noch nichts gesagt, wie zu verfahren ist, wenn er erst zum zweiten Durchgang erscheint.

 

Nr.4 a: Bei Veranstaltungen nach Regel 1 a, b c (sog. „große“ Wettkämpfe wie Weltmeisterschaften, Olympia, Kontinentalveranstaltungen)  ist ein Wettkämpfer ausgeschlossen, wenn seine Teilnahme endgültig bestätigt ist, er aber nicht teilnahm.

Nationale Bestimmung: Ein Wettkämpfer ist auszuschließen (also zwingend vorgeschrieben), wenn er

- nicht teilnimmt (Also nicht da ist.)

      -  und er seinen Verzicht nicht vor Beginn des WK am Stellplatz (!)

         bekannt gibt.<!--[endif]-->

Also: Gibt er den Verzicht auf eine Disziplin am Stellplatz (oder Wett- kampfbüro, neu: TIC)  bekannt (z.B. per Telefon an den Wettkampfleiter), kann er noch an den anderen Wettbewerben teilnehmen!

Nationale Bestimmung DLV:

<!--[if !supportLists]-->-      oder: an seinem ersten Versuch bei einem technischen Wettbewerb unter Berücksichtigung von Nr.3 nicht teilnimmt (Wortlaut der IWR 2008!  Diese Passage ist in der IWR 2010 nicht mehr vorhanden! Das dieses Handling nach wie vor gilt ergibt sich aber aus dem Wortlaut des neu gefassten Passus der Nationalen Bestimmung. Dort heißt es: „… nicht teilnimmt und seinen Verzicht nicht vor Beginn des ersten Laufs einer Runde oder (Sinngehalt)  vor Beginn eines technischen Wettbewerbs beim Stellplatz oder Wettkampfplatz bekannt gegeben hat.“<!--[endif]-->

 

Endergebnis: Wer vor seinem Wettkampf am Stellplatz / Wettkampfbüro / TIC mitteilt, dass er aus einem bestimmten Grund verspätet kommt oder an einem Wettbewerb nicht teilnehmen kann, der kann dennoch an weiteren Wettbewerben teilnehmen.


Allgemeines / Teilnahmerecht  (6):

Ein Wettkämpfer verzichtet in einem technischen Wettbewerb mit zehn Teilnehmern auf den Endkampf, da er noch an einem anderen Wettbewerb teilnehmen möchte. Darf ein anderer Teilnehmer für ihn nachrücken?

Antwort: Grundsätzlich nein. Gem.Regel 180.5 haben die acht Wettkämpfer mit den besten gültigen Platzierungen  nach den Versuchen des Vorkampfes drei weitere Versuche. Der Neuntplatzierte hat somit keine Leistung erbracht, die ihn für den Endkampf qualifiziert.


Allgemeines / Startrecht (5):

Sommerzeit = Urlaubszeit: Die Athleten der "LG Fleißige Gruppe" wollen während ihres Sommerurlaubs ins benachbarte Ausland um dort Urlaub zu machen. Dabei beabsichtigen sie auch, an einem Wettkampf in der dortigen Region und des ausländischen Vereins teilzunehmen.

Die Startpässe werden eingepackt und los geht es. Können die Athleten im Ausland starten?

Antwort:

Grundsätzlich ja. Voraussetzung ist allerdings, dass sie ihr Teilnahme an Wettbewerben für diesen befristeten Aufenthalt im Ausland zuvor über den Landesverband beim DLV beantragen (§ 4 Nr.7.2 der LAO).


Allgemeines Technische Wettbewerbe (4):

Ein Wettkämpfer ist mit seiner ordnungsgemäß erzielten Leistung nicht zufrieden und bittet den Kampfrichter, diesen Versuch nicht zu werten. Kann dem entsprochen werden? Begründe deine Entscheidung anhand des Regelwerkes.

Antwort: Gem. Regel 126 Nr.3 IWR bewerten und protokollieren die Kampfrichter alle Versuche der Wettkämpfer und messen nur die gültigen Versuche. Daraus ergibt sich:

1. Jeder Versuch wird bewertet. Das bedeutet: Der Versuch wird beobachtet und auf Regelkonformität überprüft. Das Ergebnis (Leistung oder Fehlversuch) wird in der Wettkampfliste protokolliert.

2. Jeder gültige Versuch wird protokolliert. Ergibt im Umkehrschluss:

Fazit: So lange kein Regelverstoß vorliegt bzw. durch das Kampfgericht erkannt wird haben der Obmann und sein Kampfgericht die Leistung zu messen und einzutragen (Verpflichtung).

Hinweis: Aufgrund dessen "machen" die Sportler den Versuch gern ungültig , z.B. durch absichtliches Zurückgehen in der Grube oder bewusstes Treten auf den Kugel-/Diskusring pp.. Die sportliche Variante auch für das arbeitsame Kampfgericht...

 

Allgemeines Technische Wettbewerbe (3):

Wie sieht der Fall aus, wenn ein ungültiger Versuch (durch Übertreten pp.) "nur mal um zu wissen..."  auch ohne Ergebnis in der Wettkampfliste gemessen werden soll?

Antwort: Gem. Regel 126 Nr.3 IWR bewerten und protokollieren die Kampfrichter alle Versuche der Wettkämpfer und messen gültige Versuche. Daraus ergibt sich:

1. Jeder Versuch wird bewertet. Meint: Der Versuch wird beobachtet und auf Regelkonformität überprüft. Das Ergebnis (Leistung oder Fehlversuch) wird in der Wettkampfliste protokolliert.

2. Jeder gültige Versuch wird protokolliert. Ergibt im Umkehrschluss: Ungültige Versuche dürfen nicht gemessen werden.

Ausnahme: Gegen die Entscheidung des Schiedsgerichts auf "ungültig" wird sofort Einspruch beim Schiedsrichter erhoben. Diese Leistung ist dann "unter Vorbehalt" unter Angabe der Kampfgerichts-/Schiedsrichter-entscheidung in dem Protokoll zu vermerken.

Ergebnis: "Nur mal so messen" ist nicht zulässig !

 

Allgemeines / Rekorde  (2):

Bei einer Landesmeisterschaft in C-Stadt treten mehrere Top-Athleten im Diskuswurf an. Werfer D. schleudert seinen Diskus auf eine Weite, die neuen Deutschen Rekord bedeuten würde.

Das Kampfgericht besteht aus einem Obmann, einem ausgebildeten Kampfrichter als Protokollführer und vier Helfern ohne Ausbildung. Zum Einsatz kommt ein 100m-Stahlmaßband.

Frage: Was hat das Kampfgericht in diesem Fall zu unternehmen, damit der Rekord anerkannt werden kann? Was sind die personellen und materiellen Voraussetzungen für die Anerkennung als Rekord?

Lösung:   Es ist ein Schiedsrichter dieser Veranstaltung hinzuzuziehen, der die erbrachte Leistung selbst kontrollieren muss. Hierbei ist ein geeichtes Stahlmess-band oder ein zertifiziertes Messgerät mit einem die Messgenauigkeit bestätigenden qualifizierten Messrichter zu verwenden (IWR Regel 260 Nr.26). Die Rekordweite muss durch  drei  Kampfrichter bestätigt werden. Das bedeutet, dass der Obmann und sein Protokollführer allein mit den Helfern einen Rekord nicht anerkennen können. Sie müssen einen dritten Kampfrichter hinzuziehen.

Der Rekord muss in einem Rekordprotokoll eingetragen werden. Welches dem jeweiligen Leichtathletikverband (je nach Rekord: Deutscher Verband, Europäischer Verband, Internationaler Verband). Dem Rekordprotokoll sind bei zu fügen:

Programm der Veranstaltung, Ergebnisliste (bei Laufentscheidungen auch Nullkontrolle der elektr.Zeitmessanlage und Streifen der Reaktionszeiten)

 

 

Allgemeines / Unterstützung  (1):

Bei einer Bezirksmeisterschaft findet der 5000m-Lauf statt. Im Innenraum sind 8 Kampfrichter des örtlichen Vereins zum Rundenzählen eingeteilt. Auch fünf Vereins- und ein Landestrainer befinden sich dort. Während zwei der Kampfrichter ihre eigenen Vereinskollegen zum schnelleren Laufen anfeuern rufen die Vereinstrainer die Zwischenzeiten zu. Der Landestrainer ist "stiller Beobachter". Der Schiedsrichter befindet sich ebenfalls im Zielbereich und beobachtet die Abläufe.

Frage: Ist das Verhalten der Kampfrichter und Trainer korrekt?

Antwort: Es ist grundsätzlich so, dass im Innenraum bzw. den Anlagen sich nur die jeweiligen Kampfgerichte aufhalten dürfen. Damit ist auch klar, dass die Vereins- und auch der Landestrainer im Innenraum nichts zu suchen haben (IWR Anhang 1, Nr.2 -Sicherheit-) die Coachingzonen vorgesehen, wobei dahin gestellt sein mag, ob es die bei einer Bezirksmeisterschaft überhaupt gibt. Der zuständige Schiedsrichter hätte die Trainer also hinaus bitten müssen.

Zum anderen ist es den Kampfrichter untersagt, ihre Vereinskollegen anzufeuern. Dies ist eine Ungleichbehandlung und fällt in den Bereich unzulässiger Unterstützung (R.144 Nr.1). Die neutrale Position eines Kampfrichters ergibt sich zudem aus der Kampfrichterordnung, in welcher er seine Tätigkeit im Namen des Veranstalters ausübt (§ 1 Nr.4 KRO). Damit ist jedwede Unterstützung einzelner Athleten während des Wettkampfes zu unterlassen!

Das Zurufen von Zwischenzeiten aus dem Innenraum heraus ist gleichfalls unzulässig (R.144 Nr.1). Ausnahme: Der Schiedsrichter hat dies unter den zulässigen Voraussetzungen vorher erlaubt. Dann aber für alle Athleten gleichermaßen!

Da die Trainer, wie bereits erläutert, sich nicht im Innenraum aufhalten dürfen haben sie ihre Tätigkeit, und dazu gehört auch die Ansage von Zwischenzeiten, von außen (Coachingzone, Tribüne pp.) lediglich von außen ausüben. Je nach Veranstaltung können diese jedoch großzügiger ausgelegt werden.

 

Lauf -Tief-Hochstart bei Senioren- (9):

 

Bei den Sprints sind die Startblöcke zwingend zu benutzen (R.161.1 IWR).

Bei einem Wettbewerb sind Läufe lediglich für Männer (und Frauen) ausgeschrieben. Der 63-jährige 100m-Läufer L. befindet sich in den kleinen Teilnehmerfeldern mit anderen Seniorenklassenläufern als auch solchen der Erwachsenenklasse und will wie gewohnt einen Hochstart durchführen. Der Starter verweist jedoch darauf, dass eben nur Erwachsenenklassen, nicht aber Seniorenklassen ausgeschrieben wurden und bittet L. einen Tiefstart durchzuführen.

Zu recht?

Müssen sich die Senioren (z.B. M/W 40, 60 usw.) diesen Regeln anpassen wenn sie sich dieser AK in einem Wettkampf anschließen (zulässige Regel - § 8.2 der DLO, Teilnahme bei jüngeren Altersklassen).

 

Antwort:

Ausnahme: Senioren/Seniorinnen 35+ sind von dem Zwang des Tiefstarts grundsätzlich befreit, dürfen sie aber benutzen (R141.21 Nationale Bestimmung Laufwettbewerbe).

Nach § 8.2 DLO müssen bei Senioren die Gewichte sowie Hürdenhöhen und -maße der Männerklasse benutzt werden. Der Tiefstart bzw. Hochstart ist hier nicht ausdrücklich erwähnt. Somit muss auch der Start augenscheinlich nicht zwingend aus einem Startblock erfolgen. Aber:

Aus § 7 (7.4.1, Seite 286 des Regelwerkes) ergibt sich (Ausnahme von der Ausnahme), dass sich bei den Senioren die Gewichte der Wettkampfgeräte, die Höhen der Hürden und der Hindernisse sowie deren Abstand nach den Nationalen Bestimmungen der IWR richten.

Daher dürfen Senioren/-innen auch niedrigere Hürden oder geringere Gewichte beim Wettkampf benutzen. Der Tiefstart (also aus dem Startblock) ist dort nicht ausdrücklich aufgeführt.

Folge: Auch die M/W60 (z.B.) dürfen an einem nur für die Männerklasse ausgeschriebenen Wettbewerb zwar teilnehmen, müssen dann jedoch auch den Startblock benutzen.

 

Fall Lauf (8):

Der Starter ruft die Läufer M35 zum 100m-Endlauf in die Startblöcke. Nach dem Kommando "Auf die Plätze" und vor "Fertig" zuckt Läufer C.  in Bahn 3 mehrfach mit dem Arm, als wolle er loslaufen. Dadurch fühlt sich Läufer D in Bahn 4 irritiert und hebt die Hand, um eine Störung zu signalisieren.

Der Starter befragt beide Läufer und stellt fest, dass allein C. für die subjektive Störung des D. ist. Was ist zu tun?

Antwort: Entgegen früherer Regelungen hat der Starter den Vorfall dem Schiedsrichter Lauf zu melden. Der Schiedsrichter hat den C. nun mit Zeigen der gelben Karte wegen Unsportlichkeit zu verwarnen. D. bleibt ohne Verwarnung und erhält die grüne Karte. Regel 162.5 u.H.a. 125.5 und 145.2 (IWR 2010).

 

Lauf  (7):

Frage: Wie wäre der Fall zu beurteilen, wenn der D. sich durch Geräusche im Stadion gestört fühlt und aufgrund dessen die Hand hebt?

Antwort: Identisch! Es liegt hier noch kein Disqualifizierungsgrund in Form eines Fehlstarts vor. Ein Fehlstart ist nur noch dann vorliegend, wenn der Athlet vor dem Startsignal mit dem Lauf beginnt, also irgendeine Vorwärtsbewegung erkennbar ist.

Beachtlich ist ab 2010, dass der Starter keine Disqualifikation ausspricht, sondern nur noch und ausschließlich der Schiedsrichter. Dies bedingt, dass der Schiedsrichter Lauf sich künftig noch intensiver um den Start kümmern muss. Daher sollte insbesondere bei "höheren" Meisterschaften/ Veranstaltungen nur noch die Position des Schiri Lauf nur noch durch Kampfrichterkollegen besetzt werden, die über umfangreiche Erfahrungen im Laufbereich verfügen, sprich: die selbst eine Starterausbildung und auch -fortbildungen absolviert haben.

 

Lauf  (6):

Beim ersten Vorlauf über 1500 m starten 12 Läufer. Noch während des Laufes kommt ein gestarteter Läufer zum Schiri Bahn und bittet, im zweiten Lauf nochmals antreten zu dürfen, weil ihm im Gedränge kurz nach dem Start von einem anderen Läufer auf den Fuß getreten wurde und er dabei den Schuh verloren habe und nicht hätte weiter laufen können.

Wie hat der Schiedsrichter zu handeln und sich zu entscheiden ?

Lösung:  Bevor er entscheidet hat er seine Bahnrichter (und ggf. den Starter) zu befragen, wie sie den Vorfall beobachtet haben und soll seine eigenen Beobachtungen rekapitulieren. Hat keiner der Kari das Rennen zur fraglichen Zeit beobachtet, kann im Normalfall dem Wunsch nach einem erneuten Start nicht nachgekommen werden.

Anmerkung: Der hier beschriebene Fall kommt bei Laufwettbewerben, die nicht in Bahnen stattfinden immer wieder vor, und das nicht nur kurz nach dem Start, sondern zu jedem Zeitpunkt des Rennens. Er ist damit als disziplinspezifisch anzusehen und begründet normalerweise keinen Anspruch auf einen erneuten Start.  Dennoch sind Umstände möglich, die einen erneuten Start rechtfertigen:

a)  R.163.2 IWR besagt, dass ein Läufer oder Geher, der einen anderen rempelt,  sperrt und damit am Weiterkommen hindert, disqualifiziert wird. Der Schiedsrichter ist befugt, den Lauf unter Ausschluss jedes disqualifizierten Wettkämpfers wiederholen zu lassen oder einen Wettkämpfer, der in einem Vorlauf behindert wurde, den Start in einem späteren Lauf erlauben.

Das heißt für den o.a. Fall: wenn die Ursache in einer Regelwidrigkeit begründet ist, die zur Disqualifikation geführt hat, kann der Schiedsrichter einen erneuten Start erlauben.

Im praktischen Fall ist es aber oftmals so, das dem Läufer, der ungestüm nach innen drängt und so das Feld am Fortkommen hindert, von einem nachfolgenden Läufer ungewollt der Schuh ausgezogen wird. Dann besteht natürlich kein Anspruch auf einen erneuten Start, sondern eher zur Disqualifikation.

 b)  Im Rennen der Schülerklassen sollte nicht so streng verfahren werden. Wichtig ist aber auch hier, dass der Vorgang vom Kampfrichter beobachtet wurde und sichergestellt ist, dass das Ausziehen des Schuhs nicht durch eigenes Fehlverhalten verursacht wurde.

 

Lauf / Staffellauf  (5):

Bei einem Schülersportfest findet zum Abschluss eine 4x50-Meter-Staffel statt. Bei den Schülern gehen 4 Staffeln an den Start. Während des Rennens wird immer mehr angefeuert und die jungen Talente fiebern mit ihren Teams mit. Nach dem letzten Staffelwechsel hat Läufer L. an seinen Staffelkameraden M. ordnungsgemäß übergeben. M. befindet sich an zweiter Position im Rennen, als L. ohne Staffelstab weiter läuft und als erster ins Ziel kommt. M. ist durch seinen Staffelkollegen so motiviert dran zu bleiben, dass er den vor ihm befindlichen H. auf den letzten zwei Metern noch überholt und als erster mit Staffelstab ins Ziel kommt. Wie hat das Kampfgericht Ziel zu entscheiden?

Lösung:  Der zuerst ohne Staffelholz einlaufende Läufer kann nicht gewertet werden, weil ein Staffelläufer den Staffelstab durchgängig bis zum Ziel in der Hand halten muss (R.170 Nr.13). Zudem wäre seine Wertung unzulässig, da dann drei gewertete Läufer statt vier ins Ziel kommen.

Gem.Regel 144 Nr.2 muss jeder Wettkämpfer, der während des Wettkampfes aus dem Innenbereich heraus Unterstützung erhält oder auch leistet vom Schiedsrichter verwarnt werden. Zudem er darauf hinzuweisen. dass er im Wiederholungsfall disqualifiziert wird. Eine unzulässige Unterstützung ist auch das Schrittmachen durch andere Läufer (Nr.2 d), insbesondere durch überrundete oder überrundende Läufer. Sollte ein solches Schrittmachen festgestellt werden müsste die Staffel disqualifiziert werden. Dies wird bei einer entsprechend kurzen Laufstrecke (50 Meter) kaum nachzuweisen sein. Dementsprechend hat das Kampfgericht den Läufer ohne Staffelstab nicht zu werten und die anderen Läufer "ganz normal".

 

Lauf / Staffellauf  (4):

Unmittelbar nach Abschluss eines Staffellaufes bei einer Bezirksmeister-schaft kommen die Mitglieder der zweitplatzierten Mannschaft zum Schiedsrichter Bahn und verlangen die Disqualifikation der Siegerstaffel, da diese in einer anderen als der vom Stadionsprecher angesagten Reihenfolge gelaufen sei.

Wie hat der Schiedsrichter Bahn zu handeln ?

Lösung:   Gem. R.170.18 IWR müssen vor Beginn einer jeden Runde des Staffelwettbewerbes die Zusammensetzung und die Reihenfolge der Mannschaft offiziell gemeldet werden.

Vorgehen des Schiri: Er hat zunächst die Startordner und Wechselrichter befragen, um festzustellen, in welcher Reihenfolge tatsächlich gelaufen wurde. Es ist neben der Kontrolle der Wechsel Aufgabe der Wechselrichter, Namen und Reihenfolge der Staffelteilnehmer zu kontrollieren. Dazu muss an jedem Wechsel eine Kopie der Laufliste vorhanden sein. Deren Bereitstellen und Verteilen ist Aufgabe des Wettkampfbüro.

 

1.   Möglichkeit:   Ist die Staffel nach Festlegung des Startordners und der Wechselrichter so wie vorgemerkt gelaufen, besteht kein Grund, dem Einspruch statt zu geben. Es sollte jedoch versucht werden zu klären, ob und ggf. warum der Stadionsprecher eine andere Reihenfolge vorgelesen hat. Anschließend hat der Schiri seine Entscheidung und Begründung den Athleten, die eine Disqualifikation forderten, bekannt zu geben.

2.   Möglichkeit:   Haben die Wechselrichter festgestellt, dass die Staffel in einer Besetzung oder Reihenfolge gelaufen ist, die nicht mit der Laufliste übereinstimmt, soll der Schiedsrichter nicht   sofort eine Disqualifikation aussprechen, sondern überprüfen, ob nicht ein Fehler des Wettkampfbüros vorliegt.

Dazu muss er zuerst den Obmann Zeitmessung bitten, die Ergebnisliste vorerst nicht weiterzugeben. Anschließend soll er sich im WK-Büro versichern, dass die Laufliste übereinstimmt mit der für die entsprechende Runde (Vor- oder Endlauf) am Stellplatz abgegebenen endgültigen Besetzung und Reihenfolge. Das WK-Büro hat dazu die schriftliche Stellplatzmeldung aller Staffelmannschaften bis zum Veranstaltungsende aufzubewahren.

a)  Stellt sich heraus, dass die Staffel entsprechend ihrer Stellplatzmeldung gelaufen ist, darf natürlich  nicht disqualifiziert werden. Vielmehr ist die Ergebnisliste des Zieles entsprechend zu ändern und mit dem WK-Büro die Korrektur abzusprechen.

b)  Stimmen Stellplatzmeldung und Laufmeldung überein, das heißt, die Staffel ist in einer anderen Reihenfolge als gemeldet gelaufen, so ist sie zu disqualifizieren.

c)   Der Schiri Bahn gibt dazu die Disqualifikation und den Grund beim Zielgericht zu Protokoll. Wenn möglich, soll der Schiri anschließend die Staffelteilnehmer über die Ursache der Disqualifikation informieren.

 

3.   Möglichkeit: Die Wechselrichter haben die Reihenfolge der Staffelläufer nicht kontrolliert. In diesem Fall hat der Schiri Bahn ein Problem: entweder hat er die ihm zugewiesenen Kampfrichter nicht ausreichend in ihre Aufgaben eingewiesen oder ein anderer Umstand hat dazu geführt, dass die KaRi ihre Aufgaben nicht in vollem Umfang wahrgenommen haben.

Er hat nun nachträglich festzustellen, in welcher Reihenfolge die Staffel tatsächlich gelaufen ist. Dazu muss er vor allem mit der beschuldigten Staffel sprechen, aber auch versuchen, glaubwürdige Zeugen zu finden. Nur wenn er eindeutig feststellen kann, dass die Staffel in falscher Reihenfolge gelaufen ist, kann er sie disqualifizieren.

In jedem Fall ist die Wahrscheinlichkeit eines Einspruchs beim Schiedsgericht groß.

 Eingewechselt werden dürfen laut R.170.17 und 170.18

<!--[if !supportLists]-->Ø  <!--[endif]-->gemeldete Ersatzleute der betreffenden Staffel (maximal zwei)

<!--[if !supportLists]-->Ø  <!--[endif]-->gemeldete Teilnehmer aus anderen Disziplinen (z.B. Kugelstoß)

<!--[if !supportLists]-->Ø  <!--[endif]-->Mitglieder und Ersatzleute einer gemeldeten zweiten Staffel des gleichen Vereins

<!--[if !supportLists]-->Ø  <!--[endif]--> Nicht aber Doppelstarts eines Athleten, vgl. Nr.18 Erläuterungen !

 

Lauf / Unterstützung  (3): 

Bei einem Schülersportfest halten sich zahlreiche Eltern und Betreuer im Innenraum auf, als die Mittelstreckenläufe stattfinden. Bei den D-Schülerinnen (W8) läuft eine Mutter beim 800-Meter-Lauf bereits in der ersten Runde etwa 200 Meter mit ihrer im Rennen befindlichen Tochter mit. Auch in der zweiten Runde läuft sie nahezu 200 Meter bis kurz vor dem Ziel mit. Noch vor dem Zieleinlauf nähert sich ein Trainer anderen Vereins dem Kampfgericht Ziel und äußert, "wo gibt`s denn so was, die ganze Zeit nebenher laufen. Das geht so nicht."

Was macht ihr als Kampfrichter beim Lauf? Was ist "falsch gelaufen"? Wie muss der Schiedsrichter entscheiden? Begründe deine Entscheidung!

Lösung: Wie vorgegeben handelt es sich um ein Schülersportfest und somit eine offizielle Veranstaltung, die nach den Regeln der Internationalen Wettkampfregeln (IWR) durchgeführt wird. Aus dem Sachverhalt ergibt sich, dass ein Lauf gestartet ist. Somit sind die Regeln der IWR anzuwenden.

Grundsätzlich müssen alle Wettkämpfer ihren Wettkampf allein und ohne fremde Hilfe oder Hilfsmittel durchführen. Zulässige Hilfen sind in den jeweiligen Disziplinspezifischen Regeln der IWR erfasst. Die Regel 144 führt unzulässige Hilfen auf. In Nr.2 c (Buchform der IWR, in der elektronischen Fassung des DLV -www.leichtathletik.de- die Nr.2 d) ist angeführt, dass das Schrittmachen durch nicht an diesem Wettkampf beteiligte Personen nicht zulässig ist. Im Anschluss an Buchstabe 2f dieser Regel sind die Folgen erläutert. Die dort folgende Erläuterung bestimmt, was Wettkampfanlage ist und somit von unbeteiligten Personen freizuhalten ist. Der Schiedsrichter muss den Wettkämpfer verwarnen und darauf hinweisen, dass ein erneutes Fehlverhalten zu einer Disqualifikation führt. Hierzu ist ausschließlich der Schiedsrichter gem. Regel 125 Nr.5 berechtigt, ggfls. aber auch verpflichtet.

Hier nun handelt es sich um einen Wettbewerb der Schülerinnen W8. Frage: Muss auch hier die Regel angewendet werden. Antwort: Ja. Aber gerade bei den Jüngsten wird durch die erfahrenen Schiedsrichter Rücksicht auf das Alter genommen. Der Schiri hätte es also auch bei einer Verwarnung oder einem Hinweis belassen können. Dies ist Einzelfall abhängig.

In unserem Fall nun führt ein anderer Trainer -berechtigt- Kritik am Verhalten der Mutter, die ihrer Tochter eine unzulässige Unterstützung gewährt hat. Ein Einspruch gem. Regel 146 Nr. 2 ist also zu erwarten. Aufgrund dessen ist es nur konsequent, durch den drohenden Einspruch die Regeln anzuwenden. Somit musste die Läuferin nach der Verwarnung in Runde 1 in der zweiten Runde disqualifiziert werden.

Was ist falsch gelaufen?

Grundsätzlich ist es familär und angenehm, wenn Familie/Eltern und weitere Vereinskameraden im Innenraum sind und anfeuern können. Laut Regelwerk ist es jedoch ausschließlich dem aktuellen Kampfgericht und den jeweils am Wettkampf beteiligten Athleten erlaubt, sich im Bereich der Wettkampfanlagen und damit des Innenraums aufzuhalten. Rein regelkonform hätte der Veranstalter dafür sorgen müssen, dass sich dort keine unbeteiligten Personen aufhalten. Das ergibt sich aus IWR Anhang 1 (Sicherheit), Ziffer 1.2, Abs.2-4 (Für technische Disziplinen auch IWR Anhang 1, Ziffer 3.2.6) .

 

Lauf  (2):

Bei einer Landesmeisterschaft der Senioren starten über 100 Meter 6 Athleten der Jahrgänge M 30 und M 35 in einem Lauf. Ein Läufer M 35 gibt an, er werde einen sog.Hochstart machen, da er erst vor drei Monaten am Knie operiert wurde und sein Knie noch nicht ganz fit ist. Deswegen sei es auch bandagiert. Daraufhin verwarnt ihn der Starter und fordert ihn auf, den Startblock zu benutzen.

Frage: Darf der Läufer einen Hochstart ausführen? Ist die Bandage am Knie erlaubt?

Lösung: Bei einer Laufstreckenlänge bis einschließlich 400 Meter sowie bei den ersten Teilstrecken der Staffeln (je Einzelläuferstrecke bis zu 400 Meter) ist  ein Startblock zwingend zu benutzen (Regel 161 Nr.1 und 162 Nr.4). Somit grundsätzlich vom D-Schüler bis zu den Senioren M/W 80 pp.

Ausnahme: Gem.Regel 141 ist es den Läufern ab Altersklasse M35/W35 erlaubt, wahlweise einen Hoch- oder einen Tiefstart auszuführen. in diesem Fall ist also nichts zu unternehmen. Der Läufer darf seinen Start (Hoch oder Tief) frei wählen.

ACHTUNG: Eine Ausnahme selbst für die D-Schüler/-innen in irgendeinem Jahrgang gibt es nicht !

 

Lauf  (1):

Bei einer Landesmeisterschaft der Jugend A findet der dritte Lauf der 4x100m-Staffel statt. Die Staffel auf Bahn 4 liegt bereits beim zweiten Wechsel deutlich vorn. Der Wechsel klappt problemlos und der dritte Läufer A läuft dem dritten Wechsel mit vorhersehbarer Bestzeit  entgegen. Die Staffel auf Bahn 5 liegt bereits einige Meter zurück. Als der dritte Läufer D. auf Bahn 5 das Staffelholz übernommen hat muss er nach rechts ausweichen, weil der auslaufende Sprinter aus Bahn 4 nach rechts austrudelt und zwei Schritte auf die Bahn 5 kommt. Dadurch kommt D. aus dem Takt und verliert wertvolle Zeit. Am Ende fehlen der Staffel von D. 2,4 Sekunden zu Platz 3. Nach dem Rennen beschwert sich der Trainer von D. und legt Protest ein. Ein Wechselrichter beobachtet diesen Ablauf des Wechsels. Was haben die Wechselrichter und Schiedsrichter zu unternehmen? Wie ist zu entscheiden?

Lösung:  Der Wechselrichter hat dem Schiedsrichter durch Heben der gelben Fahne zu signalisieren, dass es eine "Unregelmäßigkeit" gegeben hat. Ob eine Behinderung einer Mannschaft oder eines Läufer vorliegt ist subjektiv erst nach Auskunft der Betroffenen zu erfahren. Da die Mannschaft, vertreten durch den Trainer, Beschwerde einlegt ist eine subjektive Behinderung vorliegend.

Der Schiedsrichter hat nun nach Rücksprache mit der benachteiligten Staffel und den Kampfrichtern am Wechsel festzustellen dass ein Regelverstoß (unzulässige Behinderung) vorliegt. Daraufhin hat er die verursachende Staffel zu disqualifizieren. Gem.R.170 Nr.15 sollen die Läufer vor und nach dem Wechsel so lange in ihrer Laufbahn oder in den Wechselräumen bleiben, bis die Laufbahn frei ist. Die Regeln 163.3 und 163.4 sind nicht anzuwenden.

Im vorliegenden Fall hat der übergebende Läufer seine Bahn nach der Staffelstabübergabe verlassen. Hierdurch wurde eine andere Mannschaft behindert. Verlässt gem.Regel 170.15 ein Läufer absichtlich seine Laufbahn, so muss er/seine Staffel disqualifiziert werden. Eine solche Absicht wird hier nicht zu unterstellen sein.

Frage ist, ob die fahrlässige Behinderung zur Disqualifikation führen kann. Gem R.163.2 ist ein Läufer zu disqualifizieren, der einen anderen Läufer rempelt oder behindert. Dies ist hier vorliegend. Da Regel 163 Nr.2 nicht in Regel 170.15 ausgeschlossen wird ist sie anwendbar. Somit wird die Staffel auf Bahn 4 korrekterweise disqualifiziert.

 

 

Sprung / Weitsprung  (7):

Athletin A. stellt vor ihrem dritten Versuch einen kleinen Plüschhasen in die Weitsprunggrube. Auf Nachfrage des Obmanns, warum sie das mache erklärt sie, dass sie das immer nach zwei ungültigen Versuchen mache, weil es ihr Glück bringe. Von diesem kleinen Plüschtier ginge ja nun wirklich keine Gefahr aus.

Der Obmann scheint es ihr erlauben zu wollen. Welche Entscheidung muss nun getroffen werden. Begründe deine Entscheidung anhand des Regelwerks!

Lösung:

Die Platzierung von irgendwelchen Gegenständen ist nicht zulässig!

Begründung:

Bei dem Plüschhasen könnte man der Meinung sein, es handele sich um eine Markierung, wie sie in Regel 180 Nr.3 sein. Stimmt aus -aber nur teilweise! R.180.3 spricht von Markierungen entlang der Anlaufbahn. Damit ist aber das Plüschtier in der Sprunggrube selbst nicht erfasst. Und was nicht ausdrücklich verboten ist, ist erlaubt.

Weitersuchen! Regel 144 behandelt die Unterstützung von Wettkämpfern. In Nr.2 a-c sind einige Handlungen und Zustände festgehalten, die eine unzulässige Unterstützung darstellen. Eine Markierung in der Sprunggrube ist hier nicht namentlich benannt.

Im Bereich der Unterstützungshandlungen geht es um "sportliches Verhalten bzw. Fehlverhalten". Daher ist die Liste der unzulässigen Unterstützungen nicht abschließend. Hier gilt die aus dem Zivilrecht all zu bekannte Beweislastumkehr, zumal einige explizit unter Nr.2 d-f  aufgeführte Unterstützungen die allein zulässigen Vorteils-Maßnahmen anführen. Dass von einem Plüschhasen keine Gefahr ausgeht mag für die Athletin klar sein. Gleichwohl verschafft er als sog. "Visiereinrichtung" einen psychischen Vorteil gegenüber anderen Athleten.

Aus diesen Gründen ist eine Platzierung des Stofftieres oder anderer Gegenstände innerhalb der Anlage nicht zulässig.

Wer nun noch der Vollständigkeit sagen möchte, dass die Sprunggrube an der entsprechenden Stelle mit dem Tier nun nicht mehr die geforderten Maße hat geht fehl. Die Grube an sich verändert ihre Größe nicht. Nur: Wo wollte man messen, wenn wider Erwarten ein erster Eindruck im Bereich des Stofftieres oder gar darauf erfolgen würde, weil es "irgendwo in der Grube" positioniert ist ...


Hier nun ein Hinweis aus der Praxis: Bisweilen sieht man Kugeln aus Metall, die neben ihrer Sportgeräteeigenschaft aus dem Kugelstoßbereich zur Fixierung von Flatterband innerhalb der Sprunggrube Verwendung finden.

Stellt euch vor, irgendein vielleicht nicht ganz so geübter Athlet, vermutlich Kind, schafft es gerade, die Grube zu erreichen und fallen rücklinks mit dem Kopf auf die Kugel... Geht gar nicht, oder?


Sprung / Weitsprung  (6):

Weitspringer W. springt ordnungsgemäß vom Brett ab und erreicht offensichtlich eine hervorragende Leistung. Er wartet in der Grube und wartet auf das Ergebnis der Kampfrichter. Der Obmann gibt den Versuch gültig, die Kampfrichter messen den Versuch und W. vernimmt eine neue persönliche Bestleistung. Vor Freude läuft er durch die Grube zurück. Hierdurch ist der Obmann verwundert und will den Versuch ungültig geben. Was ist zu tun?

Lösung: Der Wettkämpfer ist offensichtlich ohne Regelverstoß gesprungen und ordnungsgemäß in der Grube gelandet, da die kampfrichter den Versuch messen. Gem.Regel 180 Nr. darf ein Kampfrichter (Obmann) die Fahne für einen gültigen Versuch erst heben, wenn der Versuch abgeschlossen ist. Gem. 180.6 b ist das beim Weitsprung der Fall, wenn der Wettkämpfer die Grube verlassen hat. Im vorliegenden Fall hat das Kampfgericht also voreilig einen Versuch gültig gegeben.

Nach Bekanntgabe der Weite begeht der Wettkämpfer einen Regelverstoß, da er die Grube in Richtung Anlaufbahn verlässt (Regel 185 Nr.1 f).

Frage ist, ob der Wettkämpfer hierfür belangt werden soll, sprich einen Fehlversuch angeschrieben bekommt. Da das Fehlverhalten des Weitspringers in diesem Fall erst und offensichtlich allein durch das fehlerhafte Verhalten der Kampfrichter verursacht wurde, kann (soll) dem W. dies nicht zum Nachteil gereichen. Der Versuch ist weiterhin als gültig zu werten. Das Kampfgericht und der Obmann sollten durch den Schiedsrichter auf ihren Fehler hingewiesen, die Tragweite des Handelns ihnen bewusst gemacht werden!

 

Sprung / Hochsprung  (5):

Ein Wettkämpfer C. springt über 1,75 m Höhe. Die Latte wackelt nicht und er freut sich riesig über diese neue persönliche Bestleistung. Er läuft auf der Matte in Richtung Absprungbereich und stößt beim Unterqueren der Latte mit seinem Kopf gegen die Latte. Diese fällt herunter. Der Obmann muss entscheiden. Aber wie?

Lösung:  Der Versuch ist gültig zu geben. Entscheidend ist zunächst, dass die Sprunglatte durch den Athleten von den Auflegern gerissen wurde, also nicht durch Wind oder andere Sachen. Dies ist hier der Fall. Aber: Für einen ungültigen Versuch hätte der Wettkämpfer die Latte während des Sprunges reißen müssen (Regel 182 Nr.2a). Da der C. hier aber nicht durch den Sprung, sondern später beim Verlassen die Latte von den Auflegern holte muss der Versuch gültig gegeben werden.

 

Sprung / Hochsprung  (4):

Bei einer Kreismeisterschaft hat eine Hochspringerin H. Probleme mit ihrem Anlauf. Sie läuft bereits zum zweiten Mal an, kommt dabei aber dich an die Matte heran. Schon leicht verärgert kratzt sie mit ihrem Schuh zunächst auf den Boden und mit dem Außenrist gegen die Matte. Als sie ein drittes Mal anlaufen will untersagt ihr das der Obmann mit der Begründung, sie dürfe nur einmal zu ihrem Versuch anlaufen.

Ist die Entscheidung richtig, dass H. nicht mehr anlaufen und springen darf? Begründe deine Antwort.

Lösung: Gem. Regel 182 Nr.2 liegt ein Fehlversuch vor, wenn ein Athlet ohne vorher die Sprunglatte zu überqueren die Matte mit irgendeinem Körperteil berührt. Lediglich dann, wenn der Wettkämpfer abspringt und dabei die Matte aus Richtung Anlauf berührt liegt kein Fehlversuch vor.

Im vorliegenden Fall ist H. nicht abgesprungen. Daher begründet das Berühren der Matte hier, auch wenn es bewusst/gewollt geschieht (z.B. Verärgerung), einen Fehlversuch. Die Begründung des Obmannes ist fehlerbehaftet, da ein Wettkämpfer zu seinem Versuch innerhalb der zur Verfügung stehenden Versuchszeit beliebig oft anlaufen darf. Regel 180.17 besagt, dass ein Versuch zu werten ist, wenn die Versuchszeit nach Beginn des Versuchs und damit vor Ende des Versuchs abgelaufen ist.

 

Sprung / Weitsprung  (3):

Der routinierte Wettkämpfer A. hat sich gut auf seinen nächsten Wettkampf im Weitsprung vorbereitet. Dazu zählt auch, dass er in mühevoller Kleinarbeit die ersten drei Zentimeter seiner Schuhsohle vollständig geglättet und die Rillen im Profil entfernt hat da er weiß, dass er immer sehr dicht an die Absprunglinie herankommt und Gefahr läuft, über zu treten.  Im zweiten Versuch der laufenden Kreismeisterschaften berührt der A. mit seinen Schuhen die Plastilinmasse im Einlagebrett des Absprungbalkens. Durch die zuvor geglätteten Schuhsohlen entsteht jedoch kein Eindruck im Plastilin. Der Obmann hatte bemerkt, dass der Athlet das Plastilin berührt hatte, und sagt, "da hast du ja noch einmal Glück gehabt - kein Eindruck". Daraufhin hebt er die weiße Fahne und gibt den Versuch gültig.

Folgende Fragen werfen sich auf:

a) Ist die Entscheidung den Versuch betreffend richtig?

b) Muss der Athlet disqualifiziert werden, weil er seine Schuhe manipuliert hat? Begründe deine Entscheidung!

Lösung:

a) Beim Weitsprung ist ein Versuch gem. R.185 Nr.1 dann ungültig, wenn der Wettkämpfer den Fußboden hinter der Absprunglinie mit seinem Fuß oder dem Schuh berührt. Die Absprunglinie ist exakt der erste Bereich der Plastilineinlage des Einlagebrettes. Dementsprechend ist das Berühren der Plastilinmasse bereits ein Überschreiten der Absprunglinie. Das Vorhandensein eines Abdruckes im Plastilin ist nicht erforderlich. Somit ist der Versuch ungültig zu geben.

b) Gem R.143 Nr.2 dürfen die Schuhe einem Wettkämpfer keine unzulässige Unterstützung geben, z.B. durch Einbau einer speziellen Technik. Ein Wegraspeln von Rillen in der Sohle ist kein Einbau im Sinne der Regel. Gem.R.143 Nr.5 ist die maximale Dicke der Sohle vorgeschrieben. Eine Mindestdicke gibt es nicht. Auch ein Verstoß gegen die Materialbeschaffenheit ist nicht gegeben, da die freigelegte glatte Sohle aus dem gleichen Material wie die Grundsohle besteht. Insofern ist es das private Vergnügen des A. Er hat diesbezüglich keinen Regelverstoß begangen. Dafür dürfte er aber vermutlich seinen Schuhhändler etwas früher als üblich aufsuchen, da seine Sohle "aufgebraucht" ist und er neue Schuhe braucht.

 

Sprung / Weitsprung  (2):

Ein Weitspringer läuft nach Freigabe der Anlage bereits zum zweiten Mal an, weil er seine optimale Anlaufmarke nicht festgelegt hat. Noch während er anläuft läuft die Versuchszeit von einer Minute ab. Der Obmann am Sprungbalken bemerkt, dass die Versuchszeit abgelaufen ist. Nachdem der Athlet ordnungsgemäß vom Balken abgesprungen ist und die Grube korrekt verlassen hat, hebt er eine der beiden Fahnen. Welche und warum?

Lösung: Der Obmann gibt den Versuch gültig und hebt die weiße Fahne. Gem. Regel 180.17 ist ein Versuch zu werten (und damit gültig), wenn er vor Ablauf der Versuchszeit begonnen wurde. Umkehrschluss: Der Versuch muss nicht zwingend innerhalb der Zeit beendet/abgeschlossen werden, z.B. durch Absprung vom Brett oder Verlassen der Grube.

 

Sprung / Hochsprung  (1):

Die Hochspringer A. und B. sind bei einer Bezirksmeisterschaft als letzte im Wettkampf verblieben und überspringen beide die gleiche Höhe von 1,96 cm im zweiten Versuch. Die nächste Höhe wird von beiden gerissen. Bis 1,96 haben beide die gleiche Anzahl an Fehlversuchen.  Wer wird Meister?

Antwort: Es gibt zwei Meister! Seit 2010 ist im Bereich des DLV kein Stichkampf mehr vorgesehen. Das gilt sowohl für technische Disziplinen (Regel 180.19, 181 Nr.8 d, Nationale Bestimmung -u.H.a. die Leichtathletikordnung >LAO<, § 6 Nr.1 und 3, = Verbandsveranstaltungen und offene Veranstaltungen, Regel 181.9), wie auch für Lauf (Regel 167.1), wo ein Gleichstand bestehen bleibt.

 

 

Wurf / Diskus  (6):

Beim Diskuswurf steht der Wettkämpfer im Ring und nimmt seine ruhige Ausgangsposition ein. Er dreht an und schlägt dabei versehentlich mit dem Diskus gegen sein Bein. Der Diskus entgleitet seiner Hand und fällt innerhalb des Kreisringes auf den Boden. Der Kampfrichter (Ringbeobachter) reagiert nicht und schaut dich als Obmann an. Wie entscheidest du und warum?

 

Aussage des DLV hierzu:

"Der Versuch ist gültig, weil das Fallenlassen eines Wurfgerätes
nur für den Kugelstoß und das Speerwerfen als ungültig beschrieben
ist.
 

Interpretation des NLV:
Fällt bei der Ausführung des Versuchs in einer technischen Disziplin dem Wettkämpfer (in diesem Fall:) der Diskus aus der Hand könnte man annehmen, er habe den Versuch unterbrochen. Das ist im Rahmen der zur Verfügung stehenden Zeit ja grundsätzlich  möglich. In Regel 187.14 ist expresses verbes genannt, dass das Fallenlassen einer Kugel oder eines Speeres als Fehlversuch gewertet wird. Ein Diskus ist hier nicht explizit genannt.

Regel 187.15 sagt aus, dass ein Versuch unterbrochen werden kann, wobei das Gerät innerhalb oder außerhalb des Wurfkreises oder auf der Anlaufbahn (Speer) abgelegt werden kann. Eine Versuchsunterbrechung ist ein kontrollierter Vorgang. Ein Fallenlassen hingegen ist unkontrolliert ("versehentlich") und damit nicht als Versuchsunterbrechung zu werten.

Bei einer Versuchunterbrechung wird nur vom "Gerät" gesprochen, was also vom Wortlaut und -sinn nicht nur die Kugel, sondern auch Hammer oder Diskus erfasst. Daher ist eine gültige Versuchsunterbrechung nicht gegeben, so dass der Versuch ungültig zu geben ist.

Ihr seht: man kann beides begründen, wie es der DLV auch einräumt.

Da der DLV aber die übergeordnete Stelle ist ("Ober sticht unter") sollten wir uns daran halten. Auch wenn unser NLV-Regelpapst eine Ungültigkeitsentscheidung fällen würde, so denke ich doch im Sinne der Vorhersehbarkeit für alle Athleten, einheitlich nach der Entscheidung des DLV ("gültig") zu verfahren.


 

Wurf / Speer (5):

Bei einer Kreismeisterschaft tritt im Speerwurf einer der Favoriten (C.) an. Der C. tritt beim Abwurf auf die weiße Abwurflinie und wirft den Speer ab. Unmittelbar nach dem Abwurf zerbricht der Speer in der Luft in zwei Teile und landet bei 20 Metern.

Der C. behauptet, der Speer habe schon nach einer Bodenberührung mit dem Speerende beim Anlauf  "so unruhig in der Hand gelegen", so dass er sich dadurch irritiert gefühlt habe. Daher müsse ihm ein Ersatzversuch gewährt werden. Der Schiedsrichter lehnt dies ab. Zu Recht?

Antwort:

Die Regel 193 sagt ausdrücklich aus, dass es kein Fehlversuch ist, wenn der Speer beim Abwurf oder im Flug zerbricht. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass der Wurf regelgerecht durchgeführt wurde.

Die Aussage, der Speer habe beim Anlauf bereits den Boden berührt besagt noch nicht, dass dies eine Regelwidrigkeit ist. Bodenkontakt des Speeres auf der Anlaufbahn macht den Versuch noch nicht ungültig.

Es könnte jedoch möglich sein, dass der Wettkämpfer durch das Treten auf die Abwurflinie (Abwurfboden) den Versuch ungültig gemacht hat. Dies ist ja beim Treten auf die Linie grundsätzlich der Fall. Nur dann, wenn durch den bereits beschädigten Speer der Wettkämpfer das Gleichgewicht (Kausalität 1) verliert und dadurch einen Regelverstoß begeht (Kausalität 2) ist ein Ersatzversuch zu gewähren. Hier ist also die Kausalität (Ursächlichkeit) von Bedeutung.

Ergebnis:

Es ist hier sehr schwer zu entscheiden, ob das Treten auf die Linie eine direkte Folge des zerbrechenden Speere ist. Sollte feststellbar sein, dass der Speer erst durch den Abwurf selbst oder später in der Luft durch die Turbulenzen zerbricht, so ist ein Ersatzversuch zu gewähren.

Sollten der Anlauf und der Abwurf jedoch völlig normal in ihren Abläufen und das Zerbechen des Speeres ein hiervon getrennter Vorgang sein kann ein Ersatzversuch nicht zugestanden werden.

 


Wurf / Speer  (4): 

Bei einem Sportfest befinden sich neun Speerwerferinnen im Wettbewerb. Der Veranstalter stellt zwei Speere, die Athletin M. bringt zwei eigene bzw.Vereinsspeere mit. Nachdem M. zwei Durchgänge absolviert hat verzichtet sie auf weitere Versuche.

Während des vierten Durchganges nimmt der Trainer der M. zunächst einen der eigenen Speere an sich und entfernt sich etwa 15 Meter vom Aufenthaltsort der Wettkampfteilnehmer. Er wird daraufhin vom Schiedsrichter Speer aufgefordert, den Speer zurück an die Anlage zu bringen. Er entgegnet, "wir wollen nach Hause" und wird erneut aufgefordert, den Speer zurück an die Anlage zu bringen.

Zu Beginn des fünften Durchganges nimmt er den zweiten eigenen Speer an sich und verlässt mit seiner Athletin die Anlage. Auf einen erneuten Zuruf des Schiedsrichters, zurück zu kommen und die Speere im Wettbewerb zu belassen kommt er nicht nach. Somit stehen den anderen Teilnehmerinnen nur noch zwei Speere zur Verfügung.

Frage: Ist das Verhalten des Trainers bzw. seiner Athletin korrekt? Wie hat das Kampfgericht / der Schiedsrichter unter Bezug auf die entsprechende Regel zu entscheiden?

LösungDie Regel 187.2 besagt, dass die im Wettbewerb befindlichen Geräte allen Wettkämpfern zur Verfügung stehen müssen. Daraus ergibt sich, dass ein vorzeitig entferntes (mitgenommenes) Gerät den noch verbleibenden Wettkämpfern am Ende des Wettkampfes theoretisch und auch praktisch auch beim letzten Wurf des Wettkampfes zur Verfügung stehen muss. Dabei ist es unerheblich, ob der Speer oder ein anderes Gerät tatsächlich benutzt werden soll. Es muss nur allen Wettkämpfern die Möglichkeit hierzu gelassen werden. In unserem Fall waren zunächst vier Speere im Wettbewerb, nach Abreise der Athletin nur noch zwei.

Regel 187 Nr.2 ist eine technische Regel. Ein Verstoß hiergegen kann mit einer sofortigen Disqualifikation geahndet werden. Zudem handelt es sich um eine unsportliche Handlung, Wettkampfgeräte anderen nicht mehr zur Verfügung zu stellen. Auch hiergegen ist eine Disziplinarmaßnahme möglich (zunächst Verwarnung, dann Disqualifikation, 145 Nr.2). Diese zweite Variante (Unsportlichkeit) tritt subsidiär hinter die sofortige und härtere Disqualifikation aus 187 Nr.2 zurück.

Gegen die Disqualifikation besteht die Möglichkeit eines Einspruchs binnen 30 Minuten nach Bekanntgabe des Ergebnisses (146 Nr.2). Nach der Entschidung des Schiedsrichters besteht erneut innerhalb von 30 Minuten nach Bekanntgabe der Entscheidung die Möglichkeit der Berufung zur Jury (146 Nr.5. Ist eine Jury nicht vorhanden ist die Schiedsrichterentscheidung endgültig! (146 Nr.7). Da bei einem kleineren Sportfest eine Jury nicht eingesetzt worden sein dürfte ist hier die Schiedsrichterentscheidung bindend.

Die Athletin ist zu disqualifizieren, ihre Leistungen werden nicht mehr anerkannt, weder für diesen Wettbewerb (Platzierung), noch in der Bestenliste. Bei einer anderer -früheren- Disziplin der Veranstaltung ist sie jedoch weiterhin "im Rennen" (z.B. Hochsprung). Dort bereits erzielte Leistungen bleiben gültig und anerkannt, soweit nicht wegen Unsportlichkeit disqualifiziert wurde!

 

Wurf / Speer  (3):

Bei einem Sportfest der Erwachsenenklassen sowie der Schüler A findet das Speerwerfen statt. Der B-Schüler möchte für seine Bestenliste eine Verbesserung herbeiführen. Für die ausgeschriebene Klasse der A-Schüler müsste er den 600-Gramm-Speer nehmen, während für seine Altersklasse der 400-Gramm-Speer ausreicht. Darf er in diesem Wettbewerb mit dem 400-Gramm-Speer seine Bestleistung verbessern oder muss er die 600 Gramm bei den A-Schülern nehmen?

Der Schüler muss in der für A-Schüler ausgeschriebenen Veranstaltung den 600-Gramm-Speer nehmen, damit er Sieger werden kann. Kommt es ihm darauf an, eine bestenlistenfähige Leistung zu erbringen kann er auch seinen 400-Gramm-Speer verwenden. Dann allerdings muss dies in einem ordentlichen Wettbewerb erfolgen. Dazu müsste dann der Wettbewerb auch für die B-Schüler ausgeschrieben sein oder werden. Diese Erweiterung ist eventuell auch am Tage der Veranstaltung noch durch den Wettkampfleiter leistbar ...

 

Wurf / Kugelstoß  (2):

Ein engagierter und motivierter Kugelstoßer hat sich selbst vom Hersteller eine Wettkampfkugel mit einem Gewicht von 7,26 kg gekauft. Diese Kugel ist auf ihrer Oberfläche glatt, verfügt jedoch über ein eingeprägtes Logo des Herstellers. Dieses Logo ist ca. 3 cm hoch, 2 cm breit und 1 bis 1,5 mm tief. Hierdurch ist es dem Athlethen möglich, mit seinen Fingern in dieses Logo hinein zu greifen.

Ihr seid als Kampfrichter bei der Gerätekontrolle (bzw. an der Wettkampfanlage) eingesetzt, wo euch diese Vertiefung in der Kugel auffällt. Auf diese angesprochen äußert der Athlet, "die habe ich auch vo drei Wochen bei der Landesmeisterschaft in X-Stadt benutzt. Da ist die Kugel auch geprüft worden und es hat keiner was gesagt.

Frage: Was unternehmt ihr

a) als Kampfrichter an der Anlage und

b) als Kampfrichter in der Gerätekontrolle?

Lösung: Die Kugel darf nur im Wettkampf verwendet werden, wenn sie gem. Regel 187 von der IAAF zugelassen ist und den Bestimmungen der Regel 188 Nr. 4 und 5 IWR entspricht. Nach Nr.4 muss die Oberfläche der Kugel vollständig glatt sein. Das bedeutet, dass keine Vertiefungen oder Erhebungen vorhanden sein dürfen. Dies gilt auch für solche, die "lediglich" das Hersteller-Logo darstellen.

Daraus ergibt sich, dass

a) ein Kampfrichter an der Anlage die Kugel aus dem Wettbewerb zu nehmen hat (und hierzu zählt bereits das Einstoßen vor dem ersten gewerteten Durchgang). Falls vorhanden hat er die Kugel der Gerätekontrolle vorlegen zu lassen, die ein entsprechenden Kontrollzeichen auf der Kugel anbringt. Daher bietet es sich förmlich an, sämtliche Wettkampfgeräte schon vor den ersten Probeversuchen auf ihre Prüfvermerke zu überprüfen. Nicht zugelassene Geräte sind unter Kontrolle des Kampfgerichtes zu lagern, so dass sie in dem Wettbewerb nicht verwendet werden können.

b) ein Kampfrichter in der Gerätekontrolle die Kugel nicht zum Wettkampf zulassen darf. Ein Prüfvermerk hat zu unterbleiben. Die Kugeln sollen "sicherheitshalber" im Raum der Gerätekontrolle gelagert werden (da werden sie auch eher nicht entwendet) und werden erst nach dem Wettkampf wieder heraus gegeben.

 

Wurf / Kugelstoß  (1):

Beim Kugelstoß betritt der Wettkämpfer den Kreisring und beginnt mit seinem Versuch. Dabei kommt er leicht aus dem Gleichgewicht und unterbricht seinen Versuch. Er legt die Kugel zunächst außerhalb des Kreisringes ab, legt sie kurz danach jedoch etwas verlegen innerhalb des Kreisringes ab, wie es sein Trainer im Training gesagt hatte. Wie ist zu entscheiden und warum?

Antwort: Gem.Regel 187 Nr.15 der IWR darf ein Wettkämpfer seinen Versuch unterbrechen. Dabei darf er sein Sportgerät innerhalb und außerhalb des Wurfkreises niederlegen. Das bedeutet, dass er es kontrolliert ablegen muss und nicht fallen lassen darf. Das Fallenlassen wäre ein Fehlversuch gem. Regel 187 Nr.14 a. Daher liegt durch das Ablegen der Kugel außerhalb des Wurfkreises kein Fehlversuch vor. Der Athlet kann seinen Versuch innerhalb der Versuchszeit neu beginnen. Der Kampfrichter kann ganz entspannt bleiben.

 

 



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